Epilog – Die Spuren der Zeit

Wenn ich heute durch die Straßen von einst gehe oder in Gedanken die Pfade meiner Kindheit nachwandere, wird mir bewusst, wie weit die Welt von damals bereits hinter mir liegt. Das kleine Universum der Eisenbahnsiedlung, die Sommerferien im Zillertal, die windumströmten Tage auf Föhr – all das scheint manchmal aus einer ganz anderen Epoche zu … Weiterlesen

Wie Seifenblasen

Die Wellen der Erinnerung an die Wochen im Haus Tanneck auf der Nordseeinsel Föhr trugen mich sanft, aber unaufhaltsam zurück in den vertrauten Alltag der Eisenbahnsiedlung. Schon bald bestimmte wieder der gewohnte Rhythmus mein Leben: das Lachen meiner Freunde auf den Straßen, das Rascheln der Gräser in den Rheinwiesen, das Schaben der Kreide an der … Weiterlesen

Die letzten Tage

Wenn am nächsten Morgen die Sonne wieder durch die Ritzen der Vorhänge brach, erwachte das Heim zu neuem Leben. Kein Tag glich dem anderen, und doch folgte alles einem unsichtbaren, heilenden Rhythmus. Jeder Handgriff, jede Stunde war auf unsere Erholung ausgerichtet: Die salzige Nordseeluft sollte unsere Atemwege stärken, das regelmäßige, solide Essen für die ersehnte … Weiterlesen

Lätzchen und verordnete Ruhe

Wir waren spät dran, aber noch gerade rechtzeitig. Der Marsch durch den kühlen Wattschlamm und die frische Seeluft hatten bei uns Jungen einen bärenstarken Hunger geweckt. Kaum hatten wir das Heim erreicht und uns im Keller rasch die Schuhe getauscht, eilten wir hinüber in den Speisesaal. Die Kleinen saßen dort bereits auf ihren Stühlen und … Weiterlesen

Zwischen Müsli und Watt

Aus dem tiefen, erholsamen Schlaf des ersten Tages riss uns am nächsten Morgen gegen sieben Uhr die entschlossene Stimme einer Erzieherin. Mit einem energischen Ruck zog sie die Vorhänge beiseite und stieß die zwei großen Sprossenfenster weit auf. Die tief stehende Morgensonne flutete augenblicklich das Zimmer und tauchte den Schlafraum in ein warmes, goldenes Licht. … Weiterlesen

Erster Tag in Haus Tanneck

Die Klappergeräusche des Porzellans im Speisesaal verstummten allmählich, und als auch die letzten Suppenschüsseln abgetragen waren, wich die erste Aufregung der Ankunft einer betriebsamen Ordnung. Für große Erholungspausen blieb jedoch keine Zeit, denn das Leben in Haus Tanneck folgte strengen, für manch einen bislang völlig fremden Regeln. So wurden wir im Anschluss an das Essen … Weiterlesen

Ankunft in Haus Tanneck

Mein Blick streifte über das dunkle, kühle Wasser, dessen sanfter Wellengang die Fähre wiegte. Um mich herum lag dieser ganz typische, erfrischende Geruch der Nordsee und des feuchten Wattbodens, während mir ein frischer Wind böig durch die Haare fuhr. Für einen kurzen Augenblick schloss ich die Augen und erinnerte mich wehmütig an das kleine Klämmerchen, … Weiterlesen

Abschied in Köln-Deutz

So vergingen die Wochen zwischen bangem Warten und stiller Hoffnung, bis das Datum im Kalender unerbittlich näher rückte. Der Frühling hielt zaghaft Einzug, das Osterfest war vorübergezogen und auch mein neunter Geburtstag war gefeiert – ein Tag, der in jener klagenden Gewissheit stand, dass der große Einschnitt nun unmittelbar bevorstand. Und dann war er da, … Weiterlesen

Der Ruf der Nordsee

Das Jahr 1962 war kaum wenige Wochen alt, da hielt die Welt da draußen bereits den Atem an. Die verheerende Sturmflut an der deutschen Nordseeküste richtete im Februar katastrophale Schäden an, der Amerikaner John Glenn umkreiste als erster US-Astronaut die Erde im All, und auf den Bildschirmen der noch seltenen Fernsehgeräte verzauberten die Marionetten der … Weiterlesen

Träume und Apfelduft

Noch am selben Tag, als die heiß ersehnte Karte im Briefkasten lag, gab es für mich kein Halten mehr. Kaum war ich von der Schule nach Hause gekommen und hatte meine Hausaufgaben gewissenhaft erledigt, schnappte ich mir mein inzwischen ebenfalls größer gewordenes Fahrrad – ein Jugendrad aus dem Hause Nibbeling in Krefeld-Uerdingen. Meine Fahrt führte … Weiterlesen